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Benjamin Kneisl ist Inhaber des Grünwald Resort in Sölden. Als aktiver Skifahrer und Einheimischer berichtet er im Outdoor Magazin über die neusten Nachrichten aus dem Ötztal und gibt Ihnen die Empfehlungen für Ihren Urlaub.

Hinter den Kulissen: Beschneiung im Skigebiet Sölden

Schneekanonen bei der Arbeit

Wer dieser Novembertage 2011 betend seine Hände Richtung Himmel ragt bittet wahrscheinlich um Schnee. Die Lage im Alpenraum ist angespannt – überall? Nein, Sölden im Tiroler Ötztal hat aufgrund der beiden Gletscherskigebiete und der wohl besten Beschneiungsmaschinerie im Alpenraum schon geöffnet.

Schneekanonen auf Angriff…

1,8 Kubikmeter Schnee pro Sekunde, über 300 Schneekanonen (mobile sowie auf Türmen montierte Propellermaschinen und Schneilanzen), die von 55 km Leitungen mit Wasser gespeist werden, 500 Liter Wasser pro Sekunde und eine insgesamt beschneite Fläche von über 250 Hektar. In einer Stunden könnte eine Fläche, so groß wie mehrere Fußballplätze, mit einem Meter Schnee bedeckt werden.

1. Schneesicherheit durch die Höhenlage…

Sölden bietet aufgrund seiner Höhenlage ein erhöhtes Maß an Schneesicherheit. Das Skigebiet von Sölden beginnt ab einer Höhenlage von weit über 2000 Metern und endet auf über 3000 Metern über dem Meer.

2. Schneesicherheit durch zwei Gletscherskigebiete…

Die beiden Gletscher hoch über Sölden bieten nicht nur optimale Pistenbedingungen von September bis Mai sondern auch ein ruhiges Gefühl in schneearmen Wintern. Mit einer Gesamtfläche von über 20 km² zählen Söldens Gletscher zu den größten Gletscherskiflächen Europas.

3. Frau Holle am Arbeitsamt – Söldens Mega Beschneiungsanlage, Schneekanonen wohin das Auge reicht…

Mit dem Neubau des Speicherteichs am Rotkogl hatte man bereits 2007 das größte europäische Einzelsystem zur technischen Schnee-Erzeugung, doch das war den Bergbahnen Sölden nicht genug. Mit dem Bau des höchstgelegenem und gleichzeitig größtem Speicherteich am Tiefenbachgletscher (Baubeginn: 2009) wurde nun ein einmaliges technisches Rückgrat zur Beschneiung im Skigebiet geschaffen. Die zwei Speicherseen mit über 560.000 Kubikmeter Fassungsvermögen, alleine 405.000 Kubikmeter am Tiefenbachgletscher zählen mit dem dazugehörigem  Rohrleitungsnetz zu Europas “Mercedes” unter den Beschneiungsanlagen. Mit dieser enomen Wassermenge ist eine Beschneiung des Skigebietes in weniger als 5 Tagen möglich.

Wie funktioniert die technische Beschneiung?

Im Prinzip völlig gleich wie der natürliche Schneefall. Es werden keine chemischen Substanzen oder Kältemaschinen verwendet, sondern ausschließlich Wasser und Luft.

Natürlicher Schneefall entsteht dann, wenn in höheren Schichten durch Abkühlung und Übersättigung atmosphärischer Luft kondensierte Wassertröpfchen auf den Boden fallen und auf ihrer mehrminütigen Flugzeit durch ausreichend kühle Luftschichten fallen, um zu einem Schneekristall auszufrieren.

Ein Schneeerzeuger besitzt Nukleatoren und reine Wasserdüsen. Bei den Nukleatoren wird eine geringe Wassermenge und Druckluft gemischt. Durch die Expansion der Druckluft an der Atmosphäre gefrieren die zuvor im Nukleator beigefügten kleinen Wasserteilchen schockartig (Nukleide). Die Nukleide dienen als Träger des Schneekristalls, welches entsteht, indem die Wasserdüsen fein zerstäubte Wassertröpfchen an den Nukleid fügen. Die Wassertropfen fliegen nach Austritt aus der Düse im Gegensatz zur natürlichen Schneeentstehung jedoch nur einige Sekunden durch die Atmosphäre und haben dadurch nur wenig Zeit zum Ausfrieren. Um in dieser Zeit vollständig durchfrieren zu können, muß ihr Durchmesser also möglichst gering sein (feinkörniger Schnee = gute Schneequalität).

1. Wasser Qualität

Ein Teil des für die Schnee-Erzeugung benötigten Wassers wird aus der Ötztaler Ache entnommen. Es wird gefiltert und mit UV-Strahlen behandelt um Trinkwasserqualität zu garantieren. Der Rest des Wassers wird während der Sommermonaten in Specherteichen gesammelt.

2. Ideale Voraussetzungen für technische Schnee-Erzeugung

Relevant für die Beschneiung: die Feuchtkugeltemperatur, eine Kombination aus Lufttemperatur in ° Celsius und der relativen Luftfeuchtigkeit in %.
Sie entspricht der Temperatur, die ein Thermometer anzeigt, dessen Quecksilberkugel mit einem feuchten Tuch (gleicher Temperatur) umwickelt wird. Ist die Luftfeuchtigkeit sehr niedrig, dann verdunstet die Feuchtigkeit und entzieht der Umgebungstemperatur an der Quecksilbersäule die Wärme. Das Thermometer zeigt dann eine niedrigere Temperatur als die eigentliche Lufttemperatur der Umgebung.

Eine wesentliche Rolle bei der Schneeerzeugung spielt weiters die Wassertemperatur, die im Idealfall nahe dem Gefrierpunkt liegen sollte. Klimatische Voraussetzungen für die technische Schneeerzeugung: eine Umgebungstemperatur am Gefrierpunkt (0°C) und eine möglichst niedrige relative Luftfeuchtigkeit. Je niedriger die Luftfeuchtigkeit, desto leichter kann Wasser von der Oberfläche des zerstäubten Wassers verdunsten und den Tropfen dabei stärker abkühlen als bei hoher Luftfeuchtigkeit. Grenztemperaturbereich: Im Bereich von -1,5°FK spricht man von Grenztemperaturen.

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